Reise ins Land der Taglilien - China

(22. Mai 1998 - 18. Juni 1998)

geschrieben von Jürg Plodeck
(letzte Aenderung vom 22-AUG-99)

China, das Land der aufgehenden Sonne, der über einer Milliarde Menschen, der uralten Kultur und der Seide; oder für Taglilienfreunde: China das Land der Taglilien; dies oder ähnliche Gedanken kommen einem in den Sinn, wenn man an China denkt; ähnlich wie Schokolade, Berge, Banken und Sauberkeit so typische Klischees für die Schweiz sind.
Da ich mich solchen Klischees auch nicht ganz erwehren kann, waren meine Erwartungen an eine China-Reise relativ gross, was Taglilien anbelangt. Entsprechend gross war danach dann auch die Enttäuschung; doch nun zuerst alles ganz von vorn und eines nach dem anderen.

Meine Frau Jianping und ich planten für Frühsommer 1998 eine 4-wöchige China-Reise, um die Verwandten meiner Frau zu besuchen, und damit ich endlich meine Schwiegereltern kennenlernen konnte. Ausserdem wollte ich versuchen, Taglilien-Arten aus China zurückzubringen. Am Freitag dem 22. Mai 1998 war der grosse Tag. Endlich ging es nach China; meine erste Reise ins Land der Seide und der Taglilien. Am Morgen vom 23. Mai landeten wir auf dem Flughafen von Shanghai. Nach einer kurzen Pass- und Visakontrolle stand unserer Einreise nichts mehr im Weg, denn das Gepäck wird wie bei uns nur sporadischen Stichproben unterworfen. Dann war es soweit, wir waren in China, genauer gesagt in Shanghai.

Shanghai (was soviel heisst wie "zum Meer hinauf"), mit insgesamt 13.4 Millionen Einwohnern auf 6'000 Quadratkilometern ein Stadtstaat, dessen Stadt aus 7 Millionen Einwohnern besteht. Sie tummeln sich auf 375 Quadratkilometern, d.h. fast 19'000 Shanghaier drängeln sich pro Quadratkilometer. Die Stadt liegt am Huangpu-Fluss, der 30 km flussabwärts ins Mündungsdelta des Jangtsekiangs einfliesst und somit eine wichtige Lebensader für Shanghai darstellt, weil es der Zugang zum Ostchinesischen Meer ist.

Am Flughafen von Shanghai wurden wir von den Eltern und den Verwandten meiner Frau abgeholt. Ich wurde neugierig aber sehr nett von Jianping's Eltern und den Familien ihrer Geschwister empfangen. Das war nun also meine zweite Familie; es war schön, dass ich sie endlich persönlich kennenlernen konnte, da sie zu unserer Hochzeit nicht kommen konnten. Auf der Fahrt vom Flughafen zu Jianping's Eltern schaute ich neugierig aus dem Auto, um einen Eindruck zu erhalten von den Häusern, Strassen, Autos, Läden, Leuten und natürlich auch von der Vegetation (doch Taglilien habe ich keine gesehen). Alles war irgendwie neu für mich; ich habe zwar Häuser, Strassen etc. auch in Europa und Amerika gesehen, aber trotzdem bewirkten die kleinen Unterschiede und deren Zusammenwirken zwischen dem was ich in China sah und dem mir so vertrauten euro-amerikanischen Aussehen, dass es für mich dennoch fremd erschien. Doch noch fremder erschien mir die Sprache, denn nicht nur auf der Fahrt vom Flughafen zur Wohnung von Jianping's Eltern sondern auch überall sonst in diesem grossen Land wurde Chinesisch gesprochen. Da versucht man über ein Jahr lang etwas Chinesisch zu lernen und kann auch schon ein paar Worte und trotzdem versteht man rein gar nichts und alles kommt einem sehr chinesisch vor.

Wir verbrachten einige Tage in Shanghai, und ich hoffte jeden Tag, dass wir entweder einen Blumenladen, eine Gärtnerei oder einen Buchladen mit Taglilien-Büchern oder zumindest mit Büchern über die Flora von China mit vielen Abbildungen finden werden. Doch in den zwei grössten Buchläden von Shanghai gab es nur ein mehrbändiges Werk über die Flora von China mit schwarz-weissen Strichzeichnungen; es gab keine Taglilien-Bücher und ein Buch über einheimische, chinesische Flora mit schönen Farbbildern gab es auch nicht (nicht einmal mit chinesischem Text, geschweige denn mit Englischem). Wer sollte sowas in China kaufen? Und wenn man denkt, dass es niemand kauft, dann hat es auch keinen Sinn, so etwas zu produzieren. Was man produziert, muss man verkaufen können, und natürlich muss es Gewinn bringen. Dies klingt irgendwie ziemlich stark nach Kapitalismus, doch wenn man über den praktizierten Kommunismus nachdenkt, so wird man schnell gewahr, dass für Luxus und Hobbies (was eigentlich auch ein Luxus ist) kein Platz verhanden ist. Doch auch der Kommunismus in China ist nicht mehr das, was er einmal war. Er weicht langsam dem Kapitalismus; vor allem in den Städten ist dies sehr deutlich sichtbar. Die Preise sind meistens nicht so fest wie das Schild auf dem sie geschrieben sind. In vielen Geschäften lässt sich über den Preis reden, sogar teilweise in grossen Warenhäusern. Es gibt mittlerweile auch viele kleine private Geschäfte, v.a. was Telefone resp. Handys, Elektronik und Lebensmittel anbelangt; übrigens Mc Donald und Kentucky Fried Chicken sind auch hier zu finden. Nur Taglilien sucht man vergeblich.

In Shanghai haben wir nach langem Suchen und Fragen eine Art Blumen-, Fisch- und Vogelgeschäft gefunden (Fische und Vögel sind die verbreitetsten Haustiere und Hobbies in China; Hunde und Katzen waren zeitweise unter Mao nicht als Haustiere erlaubt). Doch als meine Frau Jianping in bestem Shanghai-Dialekt nach Taglilien fragt, da rümpft die Verkäuferin nur die Nase und fragt: "Was ist das ?". Meine Frau erklärt ihr, dass die Blütenknospen davon in China als eine Art "Gewürz" oder "Gemüse" in Saucen und Suppen Verwendung finden. Doch das einzige, was wir von ihr zur Antwort bekamen, war, "alles was ich an Samen habe, ist in diesem Ständer von Samentütchen" (natürlich hat sie dies auf Chinesisch gesagt, aber ich kann noch nicht so gut Chinesisch und was das Chinesisch-Schreiben anbelangt, steht es noch viel schlechter). Es gab dort viele Samentütchen und viele der angebotenen Pflanzensamen waren mir auch vertraut, aber von Taglilien war keine Spur zu sehen.

Wir haben uns weiter umgehört, ob es irgendwo in der Stadt Pflanzen zu kaufen gibt und erfuhren von einem Markt irgendwo im Zentrum von Shanghai. Nach geduldigem Durchfragen haben wir es auch geschafft, diesen Markt zu finden. Dieser Markt war nicht etwa auf einem grossen Platz oder so, nein, er war in einem schmalen Strässchen und auf beiden Seiten waren provisorisch aussehende Verkaufsstände aufgestellt. Am Anfang der Strasse gab es wahrscheinlich fast alles, was Aquarienfreunde sich wünschen; nicht nur Fische und anderes Kleingetier und Grünfutter fürs Wasser, nein auch alles was man so braucht, von Aquarien, Umwälzpumpen und anderem Zubehör über Bücher und Zeitschriften bis hin zu Schildkröten. Dazwischen gab es auch noch Cycas zu kaufen und das in grosser Zahl, und vor allem grosse Exemplare waren für unsere Verhältnisse stinkbillig. Es handelte sich zwar wahrscheinlich immer um dieselbe Art aber in verschiedener Grösse. Warum dies eine so zahlreich-angebotene Pflanze war, weiss ich nicht; vielleicht weil sie langsam wächst und somit lange Zeit Platz in den kleinen Wohnungen in China findet. Und siehe da, irgendwann gab es eine Strassenverzweigung nach links, von der man ein lautes Vogelgezwitscher hörte und viele aus Holz oder Bambus gefertigte Vogelkäfige herumhingen. Aber auch die Strasse mit den stummen Fischen veränderte sich langsam in eine Strasse mit Knollen, Zwiebeln, Rhizomen und etwas Grünzeug. Das Angebot schien zuerst vielfältig, da gab es Bambus-Rhizome, Zwiebeln und Knollen von irgendwelchen mir unbekannten "Ich-Weiss-Nicht-Was", knollenförmige Rhizome von Lotus und Seerosen-Rhizome, Stücke der verholzten Staudenpfingstrosen-Rhizomen und kahle, verholzte Triebe mit ein paar Würzelchen von Strauchpfingstrosen und auch einige Orchideen, wie z.B. halb- bis ganz-vertrocknete Triebe von Dendrobien und wunderschön-blühende Cattleyas. Doch sobald meine Frau in meiner Begleitung nach dem Preis fragte, da kletterten die Preise in sekundenschnelle auf das 5- bis10-fache des normalerweise verlangten resp. von Chinesen heruntergemarkteten Preises. Und wenn man in Begleitung eines Langnasen, so werden die Europäer und Amerikaner genannt, anfängt einen solch horrenden Preis herunterzuhandeln, da entsteht schon sehr bald eine zuerst noch kleine, aber immer grösser werdende Ansammlung von wunderfitzigen Chinesen, die bald einmal sich an der Diskussion beteiligen. Nicht dass sie etwa helfen würden, den Preis hinunterzutreiben, nein gar nicht, der eine sagt vieleher, der kann es sich leisten und der andere bietet seine eigenen Pflanzen an und einige andere diskutieren das Ganze unter sich oder gaffen einfach nur zu; man bekommt ja so ein Spektakel nicht jeden Tag zu sehen. Uebrigens wie nicht anders zu erwarten, Taglilien gab es natürlich auch keine auf dem Markt und selbstverständlich wussten auch sie am Anfang nicht, welche Pflanzen wir als Taglilie bezeichneten, erst als meine Frau wieder den Namen dieses Saucen-Suppen-Blütengewürzes resp. -Gemüses nannte, dämmerte es ihnen. Und dann plötzlich sagten sie uns, dass sie für uns verschiedenste Arten besorgen würden wenn wir wollten, wir sollten ihnen nur sagen welche und dann in 2 Wochen wiederkommen. Wir haben dann aber abgelehnt, nicht weil es ein Problem gewesen wäre, in 2 Wochen wiederzukommen, sondern weil wir einfach glaubten, dass wir wahrscheinlich über ein dutzendmal haargenau dieselbe Pflanze unter verschiedensten Namen kaufen würden (die Chinesen sind sehr geschäftstüchtig und beim Bescheissen könnten wir wahrscheinlich auch noch etwas lernen; aber es sind nicht alle Chinesen so); wahrscheinlich hätten wir die Art Hemerocallis citrina, deren Blütenknospen kurz vor dem Aufblühen geerntet werden, bekommen. Da meine Frau Jianping das Heruntermarkten der Preise je länger je besser verstand, erwarben wir 4 Seerosen (überlebten den Winter wahrscheinlich nicht), einige bereits verstorbene und begrabene Lotus, einige bestens wuchernde Bambus, 3 schlummernde oder vielleicht bereits tote Staudenpfingstrosen und eine langsam wachsende Cattleya (Orchidee).

Nach all diesen Misserfolgen bezüglich Taglilien entschlossen wir uns, einen Ausflug in den botanischen Garten von Shanghai zu unternehmen. Der ist leider nicht so im Zentrum der Stadt sondern südwestlich davon, aber natürlich immer noch im grossen Shanghai. Wir hatten auch hier insofern Glück, dass wir nach einigem Fragen jeweils jemanden fanden, der uns sagen konnte, wann wir aus der U-Bahn resp. aus dem Bus aussteigen mussten. Nach über einer halben Stunde Fahrt in U-Bahn und Bus erreichten wir endlich den Eingang des botanischen Gartens. Wir bezahlten den Eintrittspreis und fragten sogleich, ob sie Taglilien-Arten haben und verkaufen. Die Antwort war, wie konnte es auch anders sein, nein; sie hätten aber andere Pflanzen, die sie verkaufen. Meine Frau verhandelte fleissig weiter und erreichte, dass wir den Namen und das Büro der für Taglilien verantwortlichen Person erfuhren. Im schönen und grosszügig-angelegten und weitläufigen Garten fanden wir dann den uns beschriebenen Weg zum entsprechenden Bürogebäude. Es befand sich am seitlichen Rand des botanischen Gartens und war, wie die nähere Umgebungsbepflanzung dort, nicht gerade ein Vorzeige-Objekt. Als wir nach etwas herumfragen die entsprechende Person nicht finden konnten und schon am Gehen waren, kam per Zufall die Taglilien-verantwortliche Person. Es war eine junge, nette Chinesin. Sie erzählte, dass sie vor kurzen ihr Studium beendet habe und noch nicht so lange hier arbeitet und unter anderem auch für die Taglilien zuständig sei. Leider wusste sie nicht, was hier für Taglilien im botanischen Garten wachsen, da alle nur eine Nummer haben aber keine Namen. Sie führte uns zum Beet der Taglilien, das eigentlich nicht öffentlich zugänglich ist. Ein paar wenige waren in Blüte; es handelte sich dabei um irgendwelche Hybriden. Sie zeigte sich auch sehr interessiert an Taglilien-Arten, aber es machte nicht den Anschein, dass hier im botanischen Garten von Shanghai irgendwelche vorhanden waren. Sie bedauerte, dass nicht einmal die in China einheimischen Taglilien hier gezeigt werden konnten und beteuerte, dass sie das in Zukunft ändern möchte. Dies weckte natürlich in mir das Interesse, auch daran teilhaben zu können. So beschlossen wir, im Herbst einen Tausch; sie schickt mir 1-2 Fächer von den Taglilien-Arten, die sie in China findet oder sonstwie auftreiben kann und ich sende ihr 1-2 Fächer von meinen richtig angeschriebenen Taglilien (d.h. Arten und Hybriden); - seit dem Sommer bin ich nun mit ihr in e-Mail-Kontakt und ich habe bereits ein paar Mal erfahren, dass sie wieder eine Art oder Wildform gefunden oder bekommen hat, leider aber den Namen nicht weiss (tatsächlich machten wir im Herbst einen Taglilien-Austausch und ich erhielt 4 verschiedene, namenlose Taglilien-Arten mit Angaben zu Fundort und Aussehen der Pflanzen). - Nachdem wir uns von ihr verabschiedeten, wanderten wir noch etwas durch den botanischen Garten. Wir besichtigten den darin befindlichen schönen Bonsai-Garten, aber natürlich erst nachdem wir dafür noch einmal separat Eintritt bezahlen mussten (scheint in China Gewohnheit und Sitte zu sein, dass man nach Bezahlung des Eintrittspreises zusätzlich nochmals separat zur Kasse gebeten wird für die eine kleinere oder grössere, sich darin befindliche Ausstellung, Tropfsteinhöhle oder sonstwas zum Anschauen). Somit war Shanghai was Taglilien anbelangte für mich eigentlich erledigt; Fazit: zu viele Erwartungen bringen noch mehr Enttäuschungen.

Aber was ist eine China-Reise, die nur aus Shanghai besteht; ganz einfach, es wäre keine China-Reise sondern eine Shanghai-Reise. Also muss man zumindest noch nach Peking; und wenn man schon im Norden ist, dann kann man gleich noch etwas nach Westen, um in Xi'an die Terrakotta-Armee unsicher zu machen und dann ab in den Süden, um in Guiling die malerischen Hügel zu umschiffen und anschliessend wieder zurück nach Osten zum Huangpu-Fluss und Shanghai. Doch zuerst brauchte es noch Flugtickets. Also rein ins Reisebüro und verhandeln. Für wann gibt es Tickets von hier nach dort, welche Flüge resp. Fluggesellschaften sind billiger, wieviel Tage braucht man denn an jenem Ort um genug gesehen zu haben und und und ... Nach einer Stunde hatten wir die Flugtickets in der Tasche und damit unsere Tasche nicht so ausgebeult wurde, hatten wir dafür einige Tausend Yuan hingeblättert; denn Flugreisen sind auch in China nicht gratis. Bevor wir jedoch nach Peking aufbrachen, machten wir noch einen kleinen Abstecher in Form eines Tagesausfluges nach Suzhou.

Suzhou heisst übersetzt etwa "erwachender Bezirk", hat 700'000 Einwohner auf einer Fläche von 119 Quadratkilometern und ist berühmt als Stadt der Gärten und Kanäle. In Suzhou besuchten wir den Löwenhügel, den Dichtergarten, den Nordtempel, den Garten des Verweilens, den Tigerhügel und ausserdem machten wir einen klitzekleinen Ausflug auf dem Kaiserkanal.

Am frühen Sonntagmorgen vom 31. Mai ging es dann ab in den Norden in die Hauptstadt Chinas, nach Peking, oder wie es die Chinesen nennen, Beijing, was soviel heisst wie "nördliche Hauptstadt". Peking ist 16'807 Quadratkilometer gross und ist von 10.9 Millionen Einwohner bevölkert. Als früherer Sitz der chinesischen Kaiser enthält sie eine Stadt in der Stadt, die "verbotene Stadt"; so bezeichnet, weil sie während den Kaiser-Dynastien für normale Sterbliche nicht betretbar war, da es den Kaiserpalast mit seinen Gebäuden enthält.

In Peking angekommen ging es zunächst einmal darum ein Hotel zu finden, um das Gepäck deponieren zu können. Anschliessend beschlossen wir, sogleich dem botanischen Garten von Peking einen Besuch abzustatten, weil wir in Peking ja nur einige Tage bleiben wollten. Der botanische Garten liegt etwas ausserhalb von Peking im Nordwesten. Man braucht über eine Stunde mit den öffentlichen Bussen vom Pekinger Stadtzentrum zum botanischen Garten. Er ist nicht ganz so grossflächig wie derjenige von Shanghai. Doch da, welch Ueberraschung, in einem Staudengarten-Bereich standen ein paar Taglilien und darunter waren erst noch ein paar Arten und eine hat sogar noch geblüht. Angeschrieben war die Blühende mit Hemerocallis minor und weiter stand auf dem Schild, dass man deren Blüten isst. Nachdem wir nun festgestellt hatten, dass es hier ein paar Taglilien-Arten gibt, wollten wir auf legale Art und Weise einiger dieser Pflanzen habhaft werden. Doch da es Sonntag war, gab es keine Gärtner sondern nur ein paar wenige Aufsichtspersonen und hatte man sie endlich gefunden, so schickten sie einem entweder von einem zum anderen oder sagten, man müsse halt an einem Werktag wiederkommen, wenn die Gärtner und die verantwortlichen Personen wieder arbeiten. So kehrten wir mit leeren Händen wieder ins Hotel in Peking zurück. Am nächsten Vormittag telefonierte meine Frau Jianping mit dem botanischen Garten von Peking, um sich zu erkundigen, ob man von den dortigen Taglilien-Arten ein paar Pflanzentriebe kaufen könne. Nachdem sie endlich jemanden halbwegs Verantwortlichen für Taglilen an der Strippe hatte, wurden wir auf den nächsten Tag vertröstet, da er dies zuerst mit seiner Chefin besprechen muss. So buchten wir für diesen Tag einen Ausflug zur grossen Mauer. Von Taglilien sah ich hier rein gar nichts, ausser auf ein paar Postkarten, die hier alle paar Meter im 10-er Pack angeboten wurden. Darauf war neben der grossen Mauer auch eine gelbblühende Taglilie in Hülle und Fülle zu sehen, aber scheinbar war momentan nicht die Zeit des Coming-Outs.

Am nächsten Tag telefonierte meine Frau wieder mit dem botanischen Garten von Peking und die haben dort beschlossen uns ein paar Pflanzentriebe zu verkaufen, doch pro Art verlangten sie 100 Yuan, was ungefähr 20.- DM pro Pflanze bedeutet. Dieser Preis ist nicht nur für uns sondern besonders in China ein stolzer Preis und wenn man zum einen bedenkt, dass die Pflanzenhorste im Garten jeweils über einen Quadratmeter gross waren und zum anderen, dass sie andere Pflanzen viel billiger und bereits in Töpfe gepflanzt verkauften, dann ist das ein ausgewachsener Wucherpreis. Da ich aber so versessen darauf war, ein paar Taglilien-Arten nach Hause zu nehmen und da es sowieso regnete, beschlossen wir nochmals eine Stunde lang zum botanischen Garten von Peking zu fahren. Meine Frau verhandelte noch einmal mit dem Taglilien-Verantwortlichen und wir einigten uns dann auf 80 Yuan pro Taglilien-Art, d.h. ungefähr 15.- DM pro Pflanze. Der Taglilien-Verantwortliche organisierte einen Gärtner mit Schaufel und dann ging es ans Buddeln. Es regnete in Strömen, und wir standen im Staudengarten und schauten zu wie der Gärtner auf Anweisungen des Taglilien-Verantwortlichen einmal hier und einmal dort eine Pfllanze ausgrub. Während dessen unterhielt sich meine Frau mit dem Taglilien-Verantworlichen und er erklärte, dass es sich bei dem blühenden Taglilienhorst, der auf dem Schildchen mit H. minor und als Ess-Zutat angeschrieben war, um H. flava resp. wie ihr richtiger Name nun lautet Hemerocallis lilioasphodelus handelt und dass keine dieser beiden gegessen wird sondern Hemerocallis citrina. Nachdem von allen 6 vorhandenen Taglilien-Arten je ein kleiner Horst ausgegraben und mit Etikette angeschrieben war, mussten sie noch von der anhaftenden Erde befreit werden. Trotz starkem Regen musste zum Gartenschlauch gegriffen werden. Danach kam das Bezahlen und dann war es endlich so weit, ich konnte mit den folgenden Taglilien-Arten den botanischen Garten verlassen: H. citrina, H. fulva, H. fulva 'Kwanzo', H. lilioasphodelus, H. middendorffii und H. minor (es stellte sich ein Jahr spüter heraus, als sie zuhause blühte, dass die H. citrina keine H. citrina ist, sondern wahrscheinlich eine Züchtung). Ein erster aber relativ teurer Erfolg. Danach folgte, wie kann es auch anders sein, wieder eine Stunde Busfahrt ins Pekinger Stadtzentrum. Und da es erst früher Nachmittag war, beschlossen wir mit den Pflanzen in der einen Hand und dem Regenschirm in der anderen Hand einen Abstecher in die "verbotene Stadt" zu unternehmen. In den darauffolgenden zwei Tagen genossen wir noch eine gemütliche 5-stündige Eisenbahnfahrt in das 200 km entfernte Chengde und zurück.

Chengde ist 622 Quadratkilometer gross, zählt 208'000 Einwohner und bedeutet so viel wie "weiterführen der Tugenden". Die Stadt liegt nordöstlich von Peking und war Sommerresidenz der Qing-Kaiser und früher der Treffpunkt für die nationalen Minderheiten, für die die 8 äusseren Tempel im Stil ihrer Randvölker erstellt wurden.

In den Eisenbahnwagen wurde ständig gegessen und getrunken und der Abfall auf dem Boden verteilt (es gab keine Abfallkübel). Reiseveranstalter des Zielortes sowie andere Damen und Herren versuchten ihre Reisearrangements, Hotels, Stadtpläne und anderes im Eisenbahnwagen zu verkaufen und der oder die Wagenschaffner/in (pro Wagen eine meist weibliche Person) wanderte hin und her, einmal Zeitschriften verkaufend, einmal mit einer Thermoskanne mit heissem Wasser, damit die Passagiere ihren Tee nochmals aufbrauen resp. verdünnen konnten. Und damit die Passagiere nicht schon zu Beginn eines Ausfluges in zentimeterhohem Abfall watscheln mussten, putzte der/die Wagenschaffner/in kurz vor ende der Reise den Boden sauber (alles zu seiner Zeit; übrigens in den 1.Klassewagen gibt es pro offenes Abteil auf dem Tischchen eine kleine Metallschale für den Abfall, das wirkt dann etwas gepflegter, vor allem wenn es auch verwendet wird, was meist der Fall ist, aber wegen stetiger Essenstätigkeit halt bald einmal zu klein resp. zu voll wird). Rauchen ist zwar im Zug verboten, wird aber geduldet (weil fast jeder Mann raucht), vor allem wenn während Bahnhof-Aufenthalten geraucht wird. Auch wenn die Züge z.T. sehr voll waren, gab es genug Sitzplätze, denn es werden jeweils nur soviele Plätze verkauft, wie es Sitzplätze hat und jedes Billet besagt, wo sein Besitzer zu sitzen hat. Da die Chinesen aber durchaus auch nett und freundlich sind, werden schon mal Plätze getauscht, damit das Ehepaar oder die Familie beisammensitzen kann. Alles geht meist wirklich sehr freundlich und gemütlich zu. So eine Zugfahrt 2.Klasse tagsüber muss man einfach mitgemacht haben, damit man einen wirklichen Eindruck von Land und Leuten mitbekommt (dies ist nicht so sarkastisch gemeint, wie es vielleicht klingen mag; mir hat zwar im Zug nicht alles zugesagt, vor allem was die Sauberkeit anbelangt, aber man kommt den Chinesen näher und es wurden einige Gespräche mit meiner Frau über mich und dank ihrer Uebersetzungskunst auch mit mir geführt).

Zurück in Peking besuchten wir am nächsten Morgen noch kurz den Sommerpalast (leider etwas zu kurz), bevor wir am Nachmittag nach Xi'an abflogen. Am gleichen Abend am 6. Juni erreichten wir nach zweistündigem Flug Xi'an.

Xi'an, was soviel bedeutet wie "westliche Ruhe", liegt in der Nähe des gelben Flusses und ist ungefähr 1'000 km südwestlich von Peking. In Xi'an leben ungefähr 2.28 Millionen Leute auf 861 Quadratkilometern Fläche. In der näheren und weiteren Umgebung dieser Lösslandschaft des gelben Flusses lebten schon vor 5'000 Jahren die Vorfahren der Chinesen. Um 220 v. Chr. machte der erste Kaiser des vereinigten chinesischen Reiches Xi'an zur Hauptstadt und weil es auch den Anfang der Seidenstrasse bildete, wurde es damals sehr schnell zur grössten Stadt der Welt. Bekannt wurde Xi'an nicht nur wegen der Seidenstrasse, sondern weil 35 km östlich von ihr im Jahre 1974 die ersten lebensgrossen, aus Ton gefertigten Pferde- und Kriegerfiguren der Terrakottaarmee gefunden wurden, die der erste Kaiser Chinas um 200 v. Chr. herstellen liess.

Da wir in Xi'an nur einen ganzen Tag zur Verfügung hatten, buchten wir einen Tagesausflug zur Terrakottaarmee (fotografieren verboten, kaufen von Postkarten und von Nachbildungen der Terrakottafiguren in diversen Grössen war natürlich erwünscht). Anschliessend besichtigten wir noch die grosse Wildganspagode (Pagode ist ein buddhistischer Tempel in der Form eines runden oder mehr-eckigen Turmes). Nach der Tour gegen Abend machten wir noch einen kleinen Stadtbummel zum Glockenturm und zum Trommelturm und bestiegen die aus der Ming-Dynastie (1368-1644) stammende vollständig erhaltene Stadtmauer. Am nächsten Morgen, am Sonntag dem 7. Juni, flogen wir nach Guilin.

Guilin zählt 400'000 Einwohner auf 54 Quadratkilometern und heisst übersetzt "Kassiabaum-Wald", weil im Herbst die Blüten der Kassiabäume ihren süsslichen Duft über die Stadt ausbreiten. Guilin liegt am Li-Fluss und ist vor allem bekannt für die sich in ihrer Umgebung befindlichen Karsthügel, die auf vielen chinesischen Zeichnungen verewigt sind.

Da wir bereits am Flughafen von Xi'an ein Hotel für Guilin buchten, wurden wir am Flughafen von Guilin abgeholt und auf der Busfahrt vom Flughafen in das Stadtzentrum mit den angebotenen Ausflugsarrangements vertraut gemacht. Wir buchten im Bus Ausflugsreisen für die nächsten 2.5 Tage, d.h. an diesem Nachmittag ging es bereits los mit einem Besuch im Park der sieben Sterne, in dem sich auch der Kamelberg befindet. Am nächsten Tag wäre die Schifffahrt auf dem Li-Fluss drangewesen mit Sicht auf die bizarren Karsthügel. Doch da es regnete und auch Nebel hatte, war schon vom Hotelzimmer nicht viel zu sehen was Sicht anbelangt. Eigentlich wollten wir während der Flussfahrt Fotos machen, aber nicht im Regen und ohne Sonnenlicht, denn dann wirkt doch alles flach, wenig strukturiert und etwas düster. Ausserdem wäre man bei Regen viel eher nur im geschlossenen Schiffsteil und viel weniger auf den offenen Aussichtsflächen und Terrasse. Wir beschlossen das Ausflugsprogramm zu ändern, was zu ein paar Diskussionen und Telefongesprächen führte. Uns wurde versichert, dass gerade das jetzige Wetter das Schönste sei für diese Flussfahrt und zum Fotografieren; alles wirke dann viel romantischer und die Landschaft gewinne noch mehr Reiz. Doch da wir nicht in die Busse einstiegen, die uns zur Schifffahrt abholen wollten, erledigte sich dieser Ausflug für den heutigen Tag. Der Veranstalter war aber doch flexibel, so dass wir einen anderen Ausflug machen und die Li-Flussfahrt auf den nächsten Tag verschieben konnten. So besuchten wir an diesem regnerischen Tag die Grotten von Guangyen am Li-Fluss. In dieser grossen Grotte, die Crown Cave genannt wird, gab es viele, schöne Tropfsteingebilde, die leider mit verschiedenfarbiger Beleuchtung total verkitscht wurden. In dieser Höhlentour inbegriffen war eine kleine Bootsfahrt durch einen Teil der Grotte und eine Schienenbahnfahrt durch einen anderen Teil der Grotte. Am nächsten Tag war das Wetter etwas besser und wir wurden mit 2 Bussen abgeholt. Ja richtig, es waren 2 Busse, weil wir auch mit 2 verschiedenen Schiffen fuhren und das kam so: Da meine Frau Chinesin ist und ich nicht, gab es für diese Li-Flussfahrt nur 2 Möglichkeiten; entweder meine Frau fährt auf dem Schiff, welches nur für Chinesen vorbehalten ist und bezahlt 150 Yuan, oder wir beide fahren auf dem Schiff, was Ausländer benützen dürfen und bezahlen pro Person 450 Yuan, wobei darin das Mittagessen schon enthalten ist (d.h. Ausländer durften nicht auf den Ausflug für 150 Yuan). Da wir nicht einsehen wollten, weswegen man für ein und dasselbe zwei unterschiedliche Preise bezahlen sollte, machte meine Frau Jianping die Chinesen-Schifffahrt und ich die Langnasen-Schifffahrt. Am Abend erzählten wir einander, was wir gesehen und erlebt hatten. Der Ausflug meiner Frau bestand aus der Schifffahrt ohne Halt nach Yangshuo, mit anschliessender Busfahrt zurück nach Guilin und diversen Zwischenhalten bei einigen Shops, wo erwartet wurde, dass die chinesischen Touristen noch etwas Geld liegenlassen für irgendwelche unsinnigen Pseudomedikamente oder teuren Kitsch. Meine Schifffahrt beinhaltete einen 1-stündigen Halt, während dem die Passagiere die Crown Cave besichtigen konnten, nur dass das Wasser jetzt in der Höhle so hoch war, dass die Bootsfahrt in der Höhle drin nicht möglich war. Natürlich war der Eintrittspreis zur Crown Cave nicht im Ausflugspreis enthalten und musste also noch zusätzlich bezahlt werden. Ich genoss eine Stunde Ruhe auf dem Schiff, betrachtete, wie das Bootspersonal Unterteller im Flusswasser gewaschen hatte, und erfreute mich an den grossen, herumfliegenden Schmetterlingen, die mich daran erinnerten, dass hier der Uebergang zwischen subtropischem und tropischem Klima ist. Nachdem die Leute von der Höhlenbesichtigung zurückkamen, ging die Schifffahrt weiter nach Yangshuo, wobei wir während der Fahrt das Mittagessen bekamen und ab und zu auch etwas Regen. In Yangshuo erwartete uns ein Bus, der uns zurück nach Guilin brachte. Obwohl meine Tour später begann, war ich vor meiner Frau im Hotel. Sie erschien über eine Stunde nach mir im Hotel. Nun blieb noch knapp ein Tag in Guilin, denn am Mittwoch-Abend den 10. Juni sollte es ja wieder zurück nach Shanghai gehen.

Da meine Frau Jianping, auf mein Drängen hin, sich in den letzten Tagen immer wieder nach dem botanischen Garten erkundigt hatte, wussten wir nun, wie wir dorthin gelangen konnten. Also rein in einen kleinen Ueberland-Linienbus und ab zum botanischen Garten von Guilin. Nach knapp einer halben Stunde Fahrt und Durchfahren von ein paar Dörfern, waren wir vor den Toren des botanischen Gartens. Da wir diesmal nicht so hohe Preise für Taglilien-Arten bezahlen wollten, änderten wir unsere Taktik, d.h. die Taglilien sollten für meine Frau sein und ich bin nur ein Bekannter, der auch Interesse an Taglilien hat. Am Eingang erkundigten wir uns, wo wir uns bezüglich Taglilien hinwenden müssen. Danach gab es einen 15-minütigen Spaziergang zuerst durch einen parkähnlichen Bereich, der aber schon bald zu einer Art natürlichen Wald überging. Und dann als der Wald endete, kam eine Lichtung auf der eine Art Gärtnerei war, so wie man es bei uns vor 30 Jahren noch häufig sah. Im Gespräch mit dem Verantwortlichen ergab sich, dass er eine Hemerocallis fulva Spezies (#1) hat, die in einem Topf gepflanzt war und die mit etwas menschlicher Hilfe gerade noch anfing zu blühen (es stellte sich zwei Jahre später heraus, dass die eine Pflanze H. fulva 'Flore Pleno' ist). Er sagte, er habe noch eine andere Hemerocallis fulva Spezies (#2) in einem Topf, aber ohne Blütenstengel (es stellte sich ein Jahr später heraus, als sie geblüht hat, dass dies keine Art war; und dass eine Pflanze orange-gelb und die andere altrosa blühte). Wir beschlossen je 2 Töpfe 8 Yuan zu kaufen, wobei wir die Töpfe und die Erde dort liessen. Danach wurden wir noch zu einem anderen Ort im botanischen Garten geschickt, wo es auch noch Taglilien-Arten haben könnte. So machten wir uns mit unseren Neuerwerbungen wieder auf den Weg, um zum besagten Ort zu gelangen. Dort warteten wir eine Zeit lang vergeblich auf die verantwortliche Person, und da sie nirgends aufzutreiben war, beschloss eine nette Angestellte, uns die Taglilien zu zeigen. Die Hemerocallis fulva Spezies (#3) waren vereinzelt in einer Wiese und mit ihrer orangeroten Blütenfarbe der momentane Farbtupfer der Wiese. Sie wurden hier vor ein paar Jahren ausgepflanzt für Forschungszwecke, die mittlerweile abgeschlossen sind. Wir liessen uns ein paar schöne, einzelne Pflanzen ausgraben und bezahlten dafür 10 Yuan (diese Pflanzen waren meist einzeln, d.h. keine Horste und meist 20-50cm Abstand zur nächsten Pflanze; aber vielleicht bekam man diesen Eindruck unter anderem auch, weil vor weniger wie einem Monat das Gras gemäht wurde und noch nicht alle Triebe wieder in voller Pracht dastanden). Jetzt wollten wir eigentlich noch wissen, welche Fulva-Varietäten wir da gerade eingekauft haben und so wurden wir zu einem dort arbeitenden Professor geschickt. Wir hatten Glück, er wollte gerade zum Mittagessen gehen und wäre dann erst 2 Stunden später wiedergekommen. Wir hatten aber "Unglück", da in China keine Fulva-Varietäten unterschieden werden; H. fulva ist H. fulva und wenn sie gefüllt ist, dann ist sie halt gefüllt und man kann sie H. fulva 'Kwanzo' nennen; etwas anderes kennen resp. unterscheiden sie nicht; so steht es auch in den chinesischen Botanikbüchern. Daraufhin verliessen wir den botanischen Garten und kehrten mit dem Bus nach Guilin zurück. Wie schon in Peking und wo immer wir mit Taglilienpflanzen in Erscheinung traten, starrten mich die Leute an und erkundigten sich bei meiner Frau, was das sei. Wenn die Leute dann von ihr erfuhren, dass es Taglilien sind und wir dafür für chinesische Verhältnisse so viel bezahlten, kam das grosse Kopfschütteln und Unverständnis, denn sie hätten dafür keinen Fen bezahlt (Fen ist wie der Pfennig in Deutschland die kleinste Geldeinheit in China; 100 Fen ist ein Yuan). Am späten Nachmittag wurden wir vom Reiseveranstalter zum Flughafen gefahren und dann ging es ab in die Lüfte Richtung Ostnordost nach Shanghai.

In den darauffolgenden Tagen machten wir von Shanghai aus noch einen 2-Tages-Ausflug mit dem Zug nach Hangzhou. Hangzhou, eine Stadt von 429 Quadratkilometern und 1.2 Millionen Einwohnern, liegt an der Bucht des Qiantang-Flusses, der sich danach zum Ostchinesischen Meer weitet. Bekannt ist die Stadt wegen der Seide, dem Drachenbrunnentee und dem Westsee. Die eigentliche Touristenattraktion ist aber der Westsee, der eigentlich nur die Bucht des Qiantang-Flusses ist, aber schon vor über 1000 Jahren zum See ausgebaut wurde. Hangzhou ist mittlerweile auch für Hochzeitsreisende beliebter wie deren Schwesterstadt Suzhou.

Unser Tagesausflug beinhaltete v.a. den Westsee, wobei wir eine vor knapp 400 Jahren künstlich darin angelegte Insel mit Namen "Kleinere Yingzhou-Insel" besuchten, die selbst noch 4 Seen mit Seerosen enthielt. Nach dem Verlassen der Insel per Schiff ging es per Bus weiter zum Grabmal und Ahnentempel des Generals Yue Fei (Yuefen), zur Quelle des Drachens, zum buddhistischen Kloster der verborgenen Seelen, genannt Lingyinsi, in dessen Nähe die Figur eines populären Dickbauch-Buddha im Fels sitzt (Fotografieren war zwar erlaubt, aber dort wo der einzig gute Platz zum Fotografieren war, musste man dafür bezahlen, konnte sich aber dann mit dem lachenden Dicken im Steingewand auf Zelluloid verewigen). Anschliessend fuhren wir noch zu einer Art Park, genannt "Song Cheng", in dem historische Dinge wie Häuser und Schiffe nachgebaut waren, um den Besuchern die Vergangenheit und Tradition Chinas etwas näherzubringen. Danach ging es subito oder noch etwas schneller zum Bahnhof und zurück nach Shanghai.

Am nächsten Tag besuchten wir einen weiteren Garten, den zoologischen Garten von Shanghai. Er ist zwar relativ grossflächig und es werden da auch einige schöne Neu-Anlagen gebaut, aber was mich am meisten störte, war, dass auch der Rummelplatz Einzug gehalten hat. Als wir diesen Ort verliessen, wusste ich beinahe nicht mehr, ob ich im Zoo oder auf der Kirmes/Kilbi war. Wir verbrachten noch ein paar Tage bei meinen Schwiegereltern bevor wir mit unserem Gepäck am Donnerstag-Vormittag, den 18. Juni, zum Flughafen fuhren. Wir hatten etwas Uebergewicht; selbstverständlich nicht wir selbst, sondern unser Gepäck, denn unser beider Lebendgewicht betrug zusammen nur 120 kg. Unser Gepäck hingegen wog 60 kg; die Lufthansa erlaubt aber nur 20kg pro Person. Trotzdem dass die Fluggesellschaften ein klein wenig Uebergewicht ohne Zuschlag erlauben, hätten wir den Preis für 10 kg Uebergewicht bezahlen müssen; das wären knapp 500 DM gewesen oder anders ausgedrückt, ein halbes Flugticket Basel-Shanghai retour für eine erwachsene Person mit 20 kg Gepäck und durchschnittlich 75 kg Eigenmasse. Wir waren nicht bereit einen solch horrenden Preis für 10 kg Uebergewicht zu bezahlen und mit den Lufthansa-Typen liess sich auch nicht reden. So liessen wir einige Bücher am Flughafen zurück, die die Schwiegereltern später abholten. Das Flugzeug war halb leer und wir konnten nicht begreifen, warum die Leute von der Lufthansa so kleinlich waren. Für uns war dies das letzte Mal, dass wir Lufthansa geflogen sind, nicht nur wegen dem unfreundlichen Bodenpersonal sondern auch weil man sich wegen der Klimaanlage erkältet, die man selber weder abstellen noch sich davor schützen kann; man wird die ganze Zeit von oberhalb der Fenster auf der ganzen Flugzeuglänge und Flugzeit von kalter Luft angeblasen. Wir waren froh, als wir auf dem Frankfurter Flughafen auch das 5-stündige Warten auf unseren Anschlussflug nach Basel hinter uns hatten und endlich in der Nacht in Basel ankamen.

Fazit der Chinareise: Man trifft in China eher auf einen Menschen als auf eine Taglilie !